Stand: 14. September 2026. Jede Zahl stammt aus der verlinkten Primärquelle, mit Erhebungsjahr. Diese Übersicht wird vierteljährlich aktualisiert.

Vier Zahlen beschreiben die Lage der KI-Weiterbildung präziser als jedes Strategiepapier: Das Gesetz verlangt sie, 61 % der Beschäftigten wollen sie, ihre Wirkung ist messbar belegt, und trotzdem bietet fast jedes zweite Unternehmen sie gar nicht an. Diese Seite sammelt die belastbaren Zahlen zu allen vier Seiten des Themas, für HR-Verantwortliche, die eine Weiterbildungsentscheidung begründen müssen, und für alle, die dabei zitierfähige Quellen brauchen. Der breitere Rahmen, von der Verbreitung bis zum ROI, steht in unseren KI-Kompetenz-Statistiken; hier geht es um das Lernen selbst.

Das Wichtigste in Kürze

  • 48 % der deutschen Unternehmen ermöglichen gar keine KI-Weiterbildung.
  • 61 % der Erwerbstätigen würden sich gerne zu KI fortbilden.
  • 79 % derjenigen mit über fünf Stunden KI-Training nutzen KI regelmäßig, gegenüber 67 % mit weniger.
  • 47 % der Beschäftigten weltweit haben je eine KI-Schulung erhalten.
  • 25 % der L&D-Profis setzen KI routinemäßig ein, obwohl 80 % sie für wichtig halten.
  • Seit 2.2.2025 ist ausreichende KI-Kompetenz eine Rechtspflicht (Artikel 4 EU AI Act).

Die Pflicht: Weiterbildung ist keine Kür mehr

Der Rahmen zuerst, denn er hat sich geändert: Seit Februar 2025 ist KI-Kompetenz im Unternehmen eine gesetzliche Anforderung, keine freiwillige Personalentwicklung. Was genau Artikel 4 an Schulung verlangt und was nicht, haben wir gesondert eingeordnet; für diese Seite genügen drei Eckdaten.

ZahlAussageQuelle
2.2.2025gilt Artikel 4 EU AI Act: Anbieter und Betreiber müssen für ausreichende KI-Kompetenz ihres Personals sorgen.VO (EU) 2024/1689, Art. 4
27.7.2026gilt der Digital Omnibus: Aus der Erfolgspflicht wurde eine Bemühenspflicht, die dokumentiert werden will.Proveo-Einordnung
20 %der EU-Unternehmen nutzen KI und fallen damit unter die Kompetenzpflicht, Tendenz stark steigend.Eurostat, 2025

Das Angebot: die Hälfte bietet nichts an

Gemessen an der Pflicht ist der Befund auf der Angebotsseite bemerkenswert: Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen ermöglicht überhaupt KI-Fortbildungen, die andere Hälfte nicht. Und selbst wo geschult wird, bleibt es meist bei ausgewählten Gruppen; flächendeckende Schulung ist mit 5 % die absolute Ausnahme. Für eine Pflicht, die für alle Nutzenden gilt, ist das eine bemerkenswert schmale Basis.

KI-Weiterbildung in deutschen Unternehmen: Wer wird geschult?
Niemand Ausgewählte Großteil Alle 48 % 28 % 16 % 5 % 48 % 28 % 16 % 5 % Daten: Bitkom, 2025
ZahlAussageQuelle
48 %der deutschen Unternehmen ermöglichen ihren Beschäftigten gar keine KI-Weiterbildung.Bitkom, 2025
28 %beschränken KI-Fortbildungen auf ausgewählte Beschäftigte; 16 % schulen zumindest einen Großteil.Bitkom, 2025
5 %schulen alle Mitarbeitenden im Umgang mit KI, obwohl die Pflicht aus Artikel 4 für alle Nutzenden gilt.Bitkom, 2025
40 %der Beschäftigten weltweit sagen, ihr Arbeitgeber habe eine Richtlinie zu generativer KI. Ohne Regel keine Schulung dazu.KPMG / Univ. Melbourne, 2025

Der Rahmen: Weiterbildung boomt, nur die KI-Lücke bleibt

Das dünne KI-Angebot lässt sich nicht mit Sparsamkeit erklären, denn Weiterbildung insgesamt ist auf Rekordniveau: 46,4 Milliarden Euro investierte die deutsche Wirtschaft zuletzt, mehr als je zuvor, im Schnitt 1.347 Euro und gut 20 Stunden je Beschäftigten. Das Geld und die Zeit sind also da. Was fehlt, ist die Umwidmung auf das Thema, das seit Februar 2025 verpflichtend ist, und der Wille, kleine Betriebe nicht abzuhängen: Ausgerechnet sie investieren je Kopf am meisten.

Weiterbildungsstunden je Beschäftigten und Jahr, nach Unternehmensgröße
Kleine Unternehmen Mittlere Große 23,9 Std. 19,1 Std. 18,1 Std. 23,9 19,1 18,1 Daten: IW-Weiterbildungserhebung, 2024
ZahlAussageQuelle
46,4 Mrd. €investierte die deutsche Wirtschaft zuletzt in Weiterbildung, ein Höchststand. Befragt wurden 953 Unternehmen.IW-Weiterbildungserhebung, 2024
1.347 €und 20,3 Stunden je Beschäftigten und Jahr fließen im Schnitt in Weiterbildung, zwei Stunden mehr als 2019.IW-Weiterbildungserhebung, 2024
23,9 Std.wenden kleine Unternehmen je Beschäftigten auf, mehr als mittlere (19,1) und große (18,1). Beim Geld führen sie ebenfalls, mit 1.492 Euro je Kopf.IW-Weiterbildungserhebung, 2024
74 %der Berufstätigen bewerten Weiterbildungen zu digitalen Technologien als wichtig für die eigene Entwicklung. Befragt wurden 1.070 Berufstätige.Bitkom Akademie / HRpepper, 2024
54 %sagen, KI spiele an ihrem Arbeitsplatz bereits jetzt eine signifikante Rolle; weitere 45 % erwarten, dass sie eher schnell an Bedeutung gewinnt.Bitkom Akademie / HRpepper, 2024

Die Nachfrage: die Beschäftigten sind weiter als ihre Arbeitgeber

Die bequemste Erklärung für das dünne Angebot wäre fehlendes Interesse der Belegschaft. Die Daten sagen das Gegenteil: Drei von fünf Erwerbstätigen wünschen sich KI-Fortbildung, nur jeder Fünfte hat je eine erhalten. Die Lücke zwischen Wollen und Bekommen ist die eigentliche Kennzahl dieser Seite, und sie erklärt nebenbei, warum so viel KI-Nutzung im Schatten stattfindet: Wer nicht geschult wird, bringt sich den Umgang selbst bei, mit eigenen Werkzeugen.

Wunsch und Wirklichkeit bei den Erwerbstätigen in Deutschland
Möchten Fortbildung Wurden geschult Angebot ungenutzt 61 % 20 % 6 % 61 % 20 % 6 % Daten: Bitkom, 2025
ZahlAussageQuelle
61 %der Erwerbstätigen in Deutschland würden sich gerne zu KI fortbilden.Bitkom, 2025
20 %wurden bereits durch ihren Arbeitgeber im KI-Einsatz geschult; weitere 6 % haben ein Angebot, das sie noch nicht genutzt haben.Bitkom, 2025
47 %der Beschäftigten weltweit haben je eine KI-Schulung erhalten, über 48.000 Befragte in 47 Ländern.KPMG / Univ. Melbourne, 2025
68 %der Beschäftigten sagen, Lernen helfe ihnen, sich an Veränderungen anzupassen, vier Punkte mehr als im Vorjahr.LinkedIn WLR, 2025

Die Wirkung: Training verändert Verhalten, messbar

Weiterbildung ist kein Selbstzweck, und bei KI lässt sich ihr Effekt ungewöhnlich sauber zeigen: Schon die Schwelle von fünf Trainingsstunden trennt regelmäßige Nutzer von Gelegenheitsnutzern. Zwölf Prozentpunkte Unterschied durch einen halben Arbeitstag Training, das ist die stärkste Kosten-Wirkungs-Relation in dieser Sammlung. Ob eine Maßnahme das Verhalten wirklich verändert hat, zeigt sich allerdings erst im Vorher-Nachher-Vergleich; wie der aussieht, steht auf unserer Seite zu Wirkung und ROI.

Regelmäßige KI-Nutzung nach Umfang des Trainings
Über 5 Std. Training Unter 5 Std. 79 % 67 % 79 % 67 % Daten: BCG AI at Work, 2025
ZahlAussageQuelle
79 %derjenigen mit mehr als fünf Stunden KI-Training nutzen KI regelmäßig; mit weniger sind es 67 %.BCG, 2025
36 %der Beschäftigten weltweit fühlen sich ausreichend für KI geschult.BCG, 2025
51 %der operativen Beschäftigten nutzen generative KI regelmäßig, gegenüber mehr als 75 % der Führungskräfte. Wo Training fehlt, bleibt das Potenzial an der Basis liegen.BCG, 2025

Die L&D-Profession: predigt Wasser, trinkt selten Wein

Die vielleicht aufschlussreichste Zahlengruppe kommt aus der Weiterbildungsbranche selbst. Vier von fünf L&D-Verantwortlichen halten KI für wichtig in ihrer Lernstrategie, aber nur jeder vierte setzt sie routinemäßig ein. Die Profession, die den Wandel vermitteln soll, steht selbst mitten im eigenen Kompetenzaufbau, und auch die klassische Kernaufgabe leidet: Nur 15 % der Beschäftigten haben im letzten halben Jahr mit ihrer Führungskraft einen Karriereplan erarbeitet.

L&D und KI: Einschätzung gegen eigene Praxis
Halten KI für wichtig Nutzen KI routinemäßig 80 % 25 % 80 % 25 % Daten: LinkedIn Workplace Learning Report, 2025
ZahlAussageQuelle
80 %der L&D-Verantwortlichen halten KI für wichtig in ihrer Lernstrategie, aber nur 25 % setzen sie routinemäßig ein. Befragt wurden 937 L&D- und HR-Profis.LinkedIn WLR, 2025
36 %der Organisationen gelten als "Career Development Champions", die Karriereentwicklung mit mehreren Instrumenten systematisch fördern.LinkedIn WLR, 2025
15 %der Beschäftigten sagen, ihre Führungskraft habe in den letzten sechs Monaten beim Karriereplan geholfen, fünf Punkte weniger als im Vorjahr.LinkedIn WLR, 2025
~50 %der Weiterbildungsverantwortlichen sagen, ihren Beschäftigten fehlen die Fähigkeiten, um die Unternehmensstrategie umzusetzen.LinkedIn WLR, 2025

Der Arbeitsmarkt: die Fähigkeit hat schon einen Preis

Während die Angebotsseite zögert, hat der Arbeitsmarkt längst entschieden. AI Literacy führt die Liste der am schnellsten wachsenden Fähigkeiten an, und die Beschäftigten reagieren schneller als ihre Arbeitgeber: Sie schreiben sich die Kompetenzen selbst ins Profil. Für HR heißt das, dass KI-Weiterbildung inzwischen auch ein Argument im Recruiting und beim Halten von Leuten ist, nicht nur eine Compliance-Aufgabe.

ZahlAussageQuelle
Platz 1belegt AI Literacy auf der LinkedIn-Liste der am schnellsten wachsenden Fähigkeiten 2025.LinkedIn, 2025
+177 %mehr KI-Fähigkeiten in LinkedIn-Profilen seit 2023, knapp fünfmal so viel wie das durchschnittliche Wachstum aller Fähigkeiten.LinkedIn, 2025
70 %der Fähigkeiten in den meisten Berufen werden sich bis 2030 verändern, KI ist der größte Treiber.LinkedIn, 2025

Fazit: das billigste Argument der Personalentwicklung

Selten liegen die Zahlen für eine HR-Entscheidung so einseitig: Die Pflicht besteht, die Nachfrage der Beschäftigten ist da, die Wirkung ist ab wenigen Stunden messbar, und die Hälfte des Marktes tut trotzdem nichts. Wer jetzt systematisch schult, erfüllt also nicht nur Artikel 4, sondern verschafft sich einen Vorsprung, den die Konkurrenz freiwillig liegen lässt.

Eine Bedingung bleibt, und sie entscheidet über den Unterschied zwischen Aufwand und Wirkung: Schulung ohne Messung bleibt eine Teilnahmeliste. Erst wer vorher und nachher misst, weiß, ob sich Verhalten verändert hat, und hat zugleich den Nachweis, den Artikel 4 verlangt. Den eigenen Ausgangspunkt liefert der Selbstcheck in drei Minuten.

Zitieren erwünscht: Nennen Sie bei Verwendung die jeweilige Originalquelle mit Jahr und verlinken Sie diese Übersicht als Fundstelle. Bei Fragen zu einzelnen Zahlen: presse@getproveo.com.

Quellen und Methode

Aufgenommen werden ausschließlich Primärquellen: Gesetzestexte, amtliche Statistik, Verbandsstudien und Berichte der erhebenden Institute selbst. Jede Zahl trägt ihr Erhebungs- oder Publikationsjahr; Zahlen ohne nachvollziehbare Quelle nehmen wir nicht auf, auch wenn sie oft zitiert werden.