Stand: 19. Mai 2026. Dieser Beitrag ist eine Einordnung aus der Praxis, keine Rechtsberatung.
Die Frage nach dem Schulungsnachweis kommt inzwischen aus drei Richtungen gleichzeitig: aus der Regulatorik — Artikel 4 EU AI Act verlangt seit Februar 2025 KI-Kompetenz im Team —, von Ausschreibungen und Konzernkunden, die ihn zur Bedingung machen, und von Wirtschaftsprüfern, die nach der KI-Governance fragen. Alle drei bekommen häufig dasselbe gezeigt — dabei gibt es drei sehr verschiedene Arten von Nachweis, die sehr Verschiedenes belegen.
Form 1: Die Teilnahmebescheinigung
Sie belegt, dass eine Person zu einem Zeitpunkt anwesend war. Mehr nicht. Als Baustein einer Dokumentation ist sie nicht wertlos — sie zeigt, dass überhaupt etwas unternommen wurde. Als alleiniger Nachweis fällt sie bei der ersten Nachfrage in sich zusammen: Ob die Person zugehört, etwas verstanden oder ihr Verhalten geändert hat, steht auf einem anderen Blatt, das es nicht gibt.
Form 2: Das Quiz-Zertifikat
Eine Stufe darüber steht das Zertifikat mit bestandener Wissensabfrage. Es belegt, dass jemand Begriffe und Regeln wiedergeben konnte — ein echter Fortschritt gegenüber der reinen Anwesenheit. Nur beantwortet es die falsche Frage: Es misst Wissen über KI, nicht den Umgang mit KI. Wer jede Definition kennt und trotzdem ungeprüfte KI-Texte an Kunden schickt, besteht das Quiz und fällt im Alltag durch.
Form 3: Der Kompetenzbeleg
Die dritte Form dokumentiert beobachtetes Verhalten: Eine Person hat eine realistische Aufgabe aus ihrem eigenen Arbeitsbereich mit KI bearbeitet, und bewertet wurde der Weg dorthin — Werkzeugwahl, Prüfverhalten, fachliche Steuerung. Datiert und wiederholbar beantwortet dieser Beleg genau die Fragen, die Teilnahme und Quiz offenlassen. Und er dokumentiert kein behauptetes Niveau, sondern ein laufendes, ernsthaftes Bemühen samt Ergebnis — genau das, worauf es bei Artikel 4 ankommt.
Der Praxistest: drei Nachfragen
Ob ein Nachweis trägt, zeigt sich an drei Nachfragen, die jede prüfende Stelle stellen kann: „Woran machen Sie fest, dass die Person kompetent arbeitet — nicht nur, dass sie anwesend war?“ „Wie aktuell ist das?“ Und: „Was haben Sie aus dem Ergebnis abgeleitet?“ Die Teilnahmebescheinigung scheitert an der ersten Frage, das Quiz-Zertifikat spätestens an der dritten. Der Kompetenzbeleg beantwortet alle drei — inklusive der Maßnahme, die aus einer erkannten Lücke folgte.
Wie proveo den Kompetenzbeleg erstellt
Bei proveo bearbeiten Mitarbeitende Fallaufgaben aus ihrem eigenen Arbeitsbereich in einem Workspace mit Editor und KI-Chat — kein Fragebogen, kein Prüfungsmodus. Ein KI-Prüfer bewertet jede Bearbeitung entlang von vier Dimensionen, und aus jedem Durchlauf entsteht ein datierter Beleg pro Person und Team. Wiederholt angewendet zeigt er zusätzlich, ob Maßnahmen zwischen zwei Messungen gewirkt haben.
Fazit
Alle drei Formen haben einen Platz: Die Bescheinigung dokumentiert Aktivität, das Quiz einen Wissensstand, der Kompetenzbeleg tatsächliches Können. Wer heute entscheidet, welchen Nachweis er aufbaut, sollte von der Nachfrage her denken, die kommen wird — und die lautet immer seltener „Haben Sie geschult?“ und immer öfter „Können Sie zeigen, wie gut Ihr Team arbeitet?“